Nordic Walking

Schon in den 30er-Jahren wurde von Langläufern im Sommer und Herbst der sogen. Stockgang oder Stocklauf zur Unterstützung von Kondition und als Einstieg in die Winteraktivität in das Training integriert.1992 und 1993 wurde von der amerikanischen Fachliteratur das Pole Walking entwickelt. Mit modifizierten Schistöcken, Pole ist der englische Begriff dafür, wurde die typische Armbewegung des Langlaufs nachempfunden. Studien über dieses neue Walking erbrachten vorteilhafte Ergebnisse für Ausdauereffekte, Trainingsreize und das psychologische Profil.

Trotz Propaganda als Ausdauersportart für jedermann, fand das Nordic Walking mangels eigens entwickelter Stöcke und Technik kein breites Interesse.

Im Frühling 1997 wurde das Nordic Walking in Finnland als Sommertrainingsmethode der Spitzenathleten in den Sportarten von Langlauf, Biathlon und der Nordischen Kombination vorgestellt. In Zusammenarbeit mit dem weltweit größten Carbonstockhersteller waren Stöcke aus einem Carbon-Glasfaser-Gemisch und einem speziellen Handschlaufensystem entwickelt worden. Bereits nach fünf Jahren gingen in Finnland ca. 1 Million Menschen der neuen Sportart nach.

2001 wurde die INWA, die International Nordic Walking Association, gegründet. Die INWA verfolgt das Ziel Nordic Walking auf einem professionellen Niveau weltweit zum Standard zu erheben. Sie stellt höchste Qualitätsansprüche an die Ausbildung der Nordic Walking Instruktoren, bezieht dabei die aktuellsten wissenschaftlichen Gesundheits- und Trainingsaspekte mit ein und unterstützt die technologische Entwicklung und Verbreitung von Nordic Walking.

In der Zwischenzeit erfreut sich auch in Österreich die neue Sportart großer Beliebtheit, wenn auch leider zu einem großen Teil mit der falschen Technik, und damit nicht effektiv, betrieben. Doch haben sich Vereine und Verbände gebildet und bieten dem Interessierten ein vielfältiges fachlich fundiertes Kurs- und Trainingsprogramm an.

Wer leidet heute nicht unter berufsbedingtem Bewegungsmangel, möchte Haltungsschwächen entgegensteuern oder vermeiden, oder einfach seinen Alltag beschwingter erleben? Das Sport Ausgleich schafft, ist bekannt, genauso die Tatsache, das Bewegung in der frischen Luft Körper und Seele gut tut und daher die Grünoasen unserer Großstädte von Joggern und Walkern bevölkert werden. Welche und wie viele kaum überbietbare Vorzüge dabei das Nordic Walking – wird es richtig betrieben – für unsere Gesundheit und seelische Ausgeglichenheit mit sich bringt, wissen wenige von uns.

Abgesehen von den praktischen Umständen zu jeder Zeit und an jedem Ort, in jedem Alter ganz nach individuellem Lust- und Leistungsbedürfnis betrieben werden zu können, zeichnet sich das Nordic Walking vor allem als ganzkörperorientierter Ausdauersport aus. Mit der richtigen Technik ausgeführt, werden beim Nordic Walking mehr als 600 Muskeln, in ständiger Bewegung gehalten, was in etwa 90 Prozent aller unserer Muskeln entspricht. So wird zwangsläufig der gesamte Bewegungsapparat angesprochen und „auf Trapp“ gehalten.

Die aktive Leistungsbereitschaft kann fortschreitend gesteigert werden, sodass Nordic Walking als erster Einstieg in ein Fitnessprogramm oder auch zur Rehabilitation nach Sportverletzungen geeignet ist. Ausdauer, Kraft, Beweglichkeit und Koordination können in eigenem Ermessen von niedrigen Belastungsstufen bis hin zu einem High Impact Workout geführt werden.

Im gleichmäßigen rhythmischen Bewegungsablauf werden die Gelenke geschont und geschmiert und hindert auch Personen mit Knie- oder Rückenproblemen nicht an einer lust- und kraftvollen Ausübung. Verspannungen im Schulter- und Nackenbereich, wie sie fast jeder Bürojob hervorruft, werden gelöst, die Bauch-, Rücken- und Gesäßmuskulatur wird gestärkt. Die Muskelkraft des ganzen Körpers wird gesteigert, Bänder und Sehnen belastbarer gemacht. Die Koordinationsfähigkeit von Bewegungsabläufen wird geschult und verbessert. Regelmäßiges Training fördert und reguliert die Darmtätigkeit, was einer weiteren Zivilisationskrankheit Abhilfe schafft. Es unterstützt unser Immunsystem, trainiert die aerobe Ausdauer, vergrößert die Belastungsreserven und schützt vor Infekten. Nordic Walking versorgt den gesamten Organismus intensiv mit Sauerstoff. Insbesondere wird die Sauerstoffaufnahme und Transportfähigkeit der roten Blutkörperchen gesteigert und damit die Fließeigenschaft des Blutes. Puls und Blutdruck wird gesenkt, der Cholesterinhaushalt positiv beeinflusst und der Herzmuskel gestärkt. Auch unserer Eitelkeit wird Sorge getragen, denn beim Nordic Walking werden bis zu 46 Prozent mehr Kalorien verbrannt als beim normalem Gehen mit derselben Geschwindigkeit, was es ist zum idealen Outdoorsport zur Gewichtsreduktion macht.

Auch unserem Geist und unserer Psyche wird durch das Nordic Walking Gutes getan. Es wird nicht nur mehr Sauerstoff verbraucht und damit die Gehirndurchblutung gesteigert und die Konzentrationsfähigkeit gefördert. Auch unsere Laune ist nicht nur von äußeren Lebensumständen abhängig. Nach etwa einer halben Stunde Bewegung im aeroben Bereich werden als Glückshormone bekannte körpereigene Substanzen ausgeschüttet wie Serotonin und Endorphine. Diese Stoffe wirken entspannend und stimulieren Kreativität und Phantasie. Nach regelmäßigem Trainieren stellt sich das als Runners high bezeichnete Glücksgefühl ein. Dieses lässt sich wie eine Droge durch Mentales wie körperliches Training bewusst aktivieren. Mit diesen Hormonen wird unser Stress abgebaut und unser allgemeines psychische Wohlbefinden verbessert – wir fühlen uns zufrieden und einfach gut.

Unter dem Strich wird die Rechnung doppelt beglichen: mit regelmäßigem Nordic Walking halten wir nicht nur unsere körperlichen Funktionen in Schuss. Wir halten uns jung, schlank, elastisch und voller Elan und Esprit. Wir fühlen uns nicht nur attraktiv, weil wir es allein durch körperliches Training auch sind, sondern weil wir unser Selbstbewusstsein auch noch mit gezieltem natürlichen Doping unterstützen.

Nur wer richtig walkt bekommt den gewünschten Effekt. Die Technik machts aus!Wie walke ich richtig?Auch Nordic Walking will gelernt sein. 90 Prozent der aktiven Walker walken falsch! Abgesehen von der adäquaten Ausrüstung, dem richtigen Schuhwerk, den passenden, „echten“ Nordic Walking Stöcken und der atmungsaktiven Sportbekleidung, ist vor allem die korrekte Ausführung des Bewegungsablaufs ausschlaggebend für den gewünschten Effekt der Anstrengung, die der Ausübende auf sich nimmt.

Nordic Walking ist ein Ganzkörpertraining, in welchem der gesamte Bewegungsapparat in einen zyklischen Rhythmus eingebunden wird. Gleich dem Vorgang des Skilanglaufes, wird durch den bewussten Stockeinsatz der physiologische, diagonale Ablauf unterstützt. Rechter Stock und linke Ferse setzen zugleich am Boden auf, wie umgekehrt. Bei lockerer und entspannter Schulterhaltung werden die Arme nahe am Körper geführt, der Stock wird nur beim Aufsetzen auf die Erde fest gegriffen, sonst bleibt die Hand leicht geöffnet (umgreift mit Daumen und Zeigefinger den Griff) und während der Streckung nach hinten sogar ganz. Tempo und Effektivität des Trainings können schon durch einen stärkeren Stockeinsatz, also mit Hilfe der Muskulatur von Armen und Oberkörper, gesteigert werden. Zugleich drückt der gegenüberliegende Fuß mit den Zehen/Fußballen kraftvoll vom Boden ab. Füße und Arme sind wie der gesamte Körper gerade leicht nach vorne geneigt, werden diagonal von und zum Rumpf geführt, Hüfte und Oberkörper kommen zu einem harmonischen Schwingen auch Rotation genannt). Durch ändern des Tempos und unterschiedlicher Intensität des Stockeinsatzes lässt sich das Nordic Walking in verschiedenen Variationen betreiben. Mit schnellen Trippelschritten oder weit ausladenden Schritten kann man das Training abwechslungsreich, durch gleichzeitigen parallelen Stockeinsatz oder Jogging und Jumping auch aufgelockert und lustig gestalten. Die Möglichkeiten sind vielfältig und reichen von niedrigen Belastungsstufen bis hin zum High Impact Workout. Effektivität und Spaß lassen sich – bei richtiger Technik – ohne großen Aufwand erzielen.

Es ist durchaus ratsam einen Kurs zu besuchen und sich von einem professionellen Trainer in die Kunst des Nordic Walking einweisen zu lassen.